Schritt 1: Wie findet ihr euer Hochzeitstanz-Lied? (Und nein, es muss kein Walzer sein.)
- catharinanitz
- 15. Juli
- 5 Min. Lesezeit

Aktuell starten fast wöchentlich neue Hochzeitspaare bei mir. Eine meiner ersten Fragen an die Paare:
Habt ihr schon ein Lied?
Meist schaut er sie fragend an, Sie schaut zurück. Es kommt ein zögerndes "Nein, wir suchen schon seit Wochen, sind uns aber noch nicht sicher welches und was überhaupt tanzbar ist."
Sie hätte gerne etwas romantisches. Er möchte bloß keinen schnulzigen Walzer. Sie hat bereits 14 Spotify-Listen durchgewälzt und gespeichert. Er hat nach dem dritten Lied aufgegeben.
Ich muss dann immer schmunzeln. So ergeht es so vielen meiner Tanzpaare.
Wenn ihr auch gerade in dieser Situation seid und euch frat, wie ihr aus tausenden Liedern ein passendes für euch finden sollt: Willkommen im Club. Ihr seid damit nicht allein!
Im Prinzip ist der Weg, um euer Lied zu finden nicht schwer. ABER, wie bei vielen Themen in der Hochzeitsplanung ist Inspiration suchen, egal ob auf Instagram, Pinterest, Youtube oder Spotify nicht immer euer Freund...
Vergesst mal für zehn Minuten, dass ihr einen Hochzeitstanz plant.
Wirklich. Lasst Spotify-Playlists mit Namen wie "Top 100 Wedding Songs" einfach mal geschlossen. Denn genau dort beginnt meiner Meinung nach der größte Fehler.
Wie die meisten Paare habt ihr wahrscheinlich einfach den Suchbegriff "Hochzeitstanz","Wedding Dance" oder ähnliches eingegeben. Wir suchen aber nicht ihrgendeinen Hochzeitstanz. Wir suchen EUREN Hochzeitstanz.
Fragt euch lieber:
"Welches Lied erzählt eigentlich etwas über uns?"
Vielleicht das Lied, das beim ersten Kuss lief.
Vielleicht das Lied, das ihr auf jedem Roadtrip mitsingt.
Vielleicht eines, bei dem ihr sofort an euren ersten gemeinsamen Urlaub denken müsst.
Oder vielleicht gibt es gar kein gemeinsames Lied.
Auch das ist völlig normal.
Ganz ehrlich?
Ich finde es sogar schön, wenn Paare sich erst während der Hochzeitsplanung gemeinsam auf die Suche machen.
Denn plötzlich sitzt ihr da zusammen auf dem Sofa, hört Musik, lacht, erinnert euch und entdeckt Lieder, die man ohne Hochzeit wahrscheinlich nie gefunden hätte.Und irgendwie ist genau das doch schon eine wunderschöne Zeit zusammen als Paar.
Genau so darf sich euer Weg zum Hochzeitstanz anfühlen: gemeinsam Zeit verbringen, gemeinsam lachen, gemeinsam lernen und wachsen.
"Aber man tanzt doch einen Walzer, oder?"
Diese Frage höre ich ständig. Meine Antwort lautet fast immer: Nur wenn ihr das wollt.
Ich weiß gar nicht, warum sich dieses Gerücht so hartnäckig hält. Ja, früher war der Wiener Walzer der Klassiker. ER hat ja auch eine wunderschöne Symbolik: der ewig im Kreis drehende Tanz als Symbol für ewige Verbundenheit und Liebe. Romantisch.
Aber eure Hochzeit ist doch auch sonst keine Kopie aller anderen Hochzeiten. Warum sollte ausgerechnet euer Hochzeitstanz eine sein?
Wenn ihr Coldplay liebt, dann schaut nach Coldplay.
Wenn ihr Ed Sheeran rauf und runter hört, dann fangt dort an.
Wenn ihr beide Rock hört ... Perfekt.
Wenn ihr Schlager liebt ... Auch gut.
Euer Hochzeitstanz muss nicht aussehen wie aus einem alten Tanzfilm. Er muss sich nach euch anfühlen.
Mein Mann und ich haben übrigens auch nicht einfach einen Walzer getanzt.
Viele denken immer: "Du bist Tanzlehrerin. Ihr hattet bestimmt eine riesige Choreografie."
Die Wahrheit ist viel unspektakulärer.
Ich habe mir einen klassischen Walzer gewünscht. Walzer ist jetzt aber nicht das genre, das im Radio rauf und runter läuft. Mein Mann wusste kein einziges Lied im Walzertakt. Ich habe also eine Playlist für uns erstellt und wir haben diese gemeinsam angehört. Das Lied, das uns so berührt hat, das wir weinen mussten, genau das haben wir genommen: You Are The Reason - Callum Scott
Später haben wir noch ein zweites Lied aus unserer Kennenlernzeit eingebaut.
Und wisst ihr, womit unser Hochzeitstanz geendet hat?
Mit Macarena. Gemeinsam mit all unseren Gästen.
Dieser Mix. Das passt zu uns. Wir schwelgen so gerne in Erinnerungen an unseren Tanz, wenn eines unserer Lieder im Radio läuft.
Unser Tanz war nicht perfekt (wir haben uns sogar vertanzt). Aber er spiegelte uns als Paar.
"Ist unser Lied überhaupt tanzbar?"
Jetzt kommt die gute Nachricht.
Diese Frage bekomme ich wahrscheinlich häufiger gestellt als jede andere. Und meine Antwort lautet fast immer: Ja.
Es gibt tatsächlich ein paar Lieder, die schwierig sind. Weil sie ständig das Tempo wechseln oder weil man den Takt kaum hört. Aber das sind viel weniger, als die meisten denken.
Deshalb sage ich meinen Paaren immer:
Verliebt euch zuerst in das Lied. Den Tanz finden wir danach.
Nicht andersherum.
Mein kleiner Auftrag für euch
Heute Abend macht ihr keine Hochzeitsplanung. Keine Gästeliste. Keine Sitzordnung. Keine Deko.
Setzt euch zusammen aufs Sofa. Macht euch einen Kaffee. Oder öffnet eine Flasche Wein. Und hört einfach Musik. Schwelgt in Erinnerungen an eure Jugend, an für euch wichtige Personen, aus eurer gemeinsamen Zeit als Paar.
Wenn ihr ein Lied findet, das euch emotional berührt, steht auf und fangt an zusammen zu tanzen. Alleine oder zu zweit. Umarmt euch einfach und tanzt los. Die Schritte sind völlig egal. Es geht um das Gefühl. Bewegt euch das lied nicht nur emotional, sondern auch in den Beinen. Bewegt es euch zusammen.
Denn genau so beginnt für mich ein Hochzeitstanz. Nicht mit Schritten. Sondern mit einem Gefühl.
(Da ist Sprache einfach so faszinierend: ein Gefühl kann euch innerlich bewegen und wir wollen, dass euch das Gefühl auch im Körper bewegt)
"Wir haben aber gar kein gemeinsames Lied."
Diesen Satz höre ich übrigens auch ganz oft. Und jedes Mal muss ich ein bisschen schmunzeln.
Viele glauben nämlich, jedes Paar braucht dieses eine Lied. Das Lied vom ersten Kuss. Das Lied, das beim Kennenlernen lief. Das Lied, bei dem beide sofort anfangen zu weinen.
Und wenn es das nicht gibt, denken sie, sie machen etwas falsch.
Aber wisst ihr was?
Die allermeisten Paare haben dieses Lied gar nicht. Sie erinnern sich eher daran, wo sie waren als daran, welche Musik lief. Oder sie hören einfach komplett unterschiedliche Musik. Sie liebt Ed Sheeran. Er hört Metal. Sie bekommt bei Klaviermusik Gänsehaut. Er schläft dabei fast ein.
Und genau deshalb müsst ihr keinen Kompromiss finden, bei dem am Ende keiner so richtig glücklich ist. Ihr dürft gemeinsam etwas Neues finden. Vielleicht wird euer Hochzeitstanz-Lied genau das Lied, das ihr in zehn Jahren hört und sofort sagt:
"Weißt du noch? Das war unser Hochzeitstanz."
Ist das nicht eigentlich viel schöner?
Fangt nicht bei Spotify an. Fangt bei euch an.
Wenn ihr heute Abend auf die Suche geht, dann macht euch bitte nicht den Druck, innerhalb von einer Stunde das perfekte Lied finden zu müssen. Ich würde es ganz anders machen: Stellt euch gegenseitig Fragen.
"Welches Lied beschreibt unsere Beziehung?"
"Welches Lied macht sofort gute Laune?"
"Bei welchem Lied würdest du mich am liebsten sofort auf die Tanzfläche ziehen?"
"Welcher Song fühlt sich nach unserem gemeinsamen Leben an?"
Und dann hört einfach. Ohne ständig daran zu denken, ob man darauf tanzen kann.
Ohne den Text Wort für Wort zu analysieren. Ohne zu überlegen, was Oma Erna dazu sagen könnte.
Denn mal ganz ehrlich ... Wie oft sucht ihr im Alltag Musik danach aus, was andere davon halten? Eben. Warum also ausgerechnet bei eurem Hochzeitstanz?
Vertraut darauf
Es gibt übrigens einen Moment, an dem Paare fast immer merken, welches Lied das richtige ist. Spielt eure favorisierten Lieder und lasst sie wirken.
Bis einer lächelt. Der andere schaut rüber. Und dann kommt dieser Satz: "Ich glaube ... das könnte es sein."
Dieses Gefühl könnt ihr nicht logisch erklären. Und genau deshalb würde ich ihm vertrauen.
Denn eure Hochzeit besteht am Ende nicht aus perfekten Entscheidungen.
Sie besteht aus Entscheidungen, die sich für euch richtig anfühlen.
Wir haben ein Lied gefunden. Was kommt jetzt?
Im nächsten Artikel zeige ich euch wie es danach weitergeht.
Wenn euer Lied steht können wir anfangen zu überlegen, welcher Tanz zu euch passt.




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